Alfa Romeo „pantera“:


Vor 110 Jahren wurde die Biscione, wie die Traditionsmarke Alfa Romeo in Italien in Anlehnung an die Schlange im bekannten Logo genannt wird, offiziell gegründet. Daher drehte sich im Jahr 2020 alles um die bewegte Geschichte der Marke aus Mailand. Ein Muss: Das neue Museo Storico, das große Werksmuseum von Alfa Romeo, im Mailänder Vorort Arese.

Alfa Romeo „pantera“

Alfa Romeo


Im Italien der Nachkriegsära wurden die Fahrzeuge von Alfa Romeo zur Legende. Ihr Image als schnelle Fahrzeuge weckte auch das Interesse der „Polizia di Stato“, der italienischen Bundespolizei. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeiten waren die Modelle dort ab den 1950igern als „volanti“ (die Fliegenden) bekannt und erhielten gar Spitznamen. Die Alfa Romeo in Diensten der Staatspolizei wurden als „pantera“ (Panther) bezeichnet, Carabinieri und Militärpolizei setzten auf „gazzelle“ (Gazellen).

 

Der allererste „Panther“ war im Jahr 1952 ein Alfa Romeo 1900, dessen aggressive Silhouette den Spitznamen inspirierte. Die erste „Gazelle“, ein Giulietta, wurde einige Jahre später in Dienst gestellt. Das aber mit Abstand berühmteste Polizeiauto war die Giulia Super. Und im Laufe der Jahrzehnte bestellte die Polizei praktisch alle Modelle von Alfa Romeo, vom Geländewagen 1900 M „Matta“ bis zu Alfasud, 75, Alfetta und 156. Heute fahren viele italienische Gesetzeshüter die ganz aktuelle Giulia.

 

Der von Satta Puliga designte Alfa Romeo 1900 von 1950 war das erste Modell der Marke mit selbsttragender Karosserie und Linkslenkung. Die traditionellen Sechs- und Achtzylinder-Motoren waren veraltet. Der Alfa Romeo 1900 erhielt einen neu entwickelten Vierzylinder-Reihenmotor mit Zylinderkopf aus Alu und über Kette angetriebene Nockenwellen. Für die Gemischaufbereitung sorgte ein Einzelvergaser, der hohe Leistung bot und eine niedrige Steuereinstufung erreichte. In seiner Urversion belief sich die Leistung auf 80 PS. Es folgten mehrere Hochleistungsvarianten. Als TI, Sprint, Super Sprint sowie Super feierte der Alfa Romeo 1900 auch internationale Erfolge im Motorsport. Diese führten zum passenden Werbeslogan: „Das Familienauto, welches Rennen gewinnt“.

 

Der 1900 war auch das erste Modell, welches die einstige Manufaktur am Fließband herstellte. Die Gesamtfertigungszeit pro Fahrzeug ging von 240 auf 100 Stunden zurück. Das Auto verkaufte sich öfter als alle zuvor angebotenen Baureihen zusammen. Parallel dazu arbeitete Alfa Romeo weiterhin mit bewährten Karosserieschmieden zusammen. So entstanden auf der Plattform des A1900 von 1953 bis 1955 mehrere Aerodynamik-Konzepte mit einem altbekannten Kürzel BAT (Berlinetta Aerodinamica Tecnica). BAT 5, BAT 7 und BAT 9 waren frühe Entwürfe von Franco Scaglione, damals in Diensten bei der Carrozzeria Bertone.

 

Der Motor des Tipo 1900 wurde im allradangetriebenen Geländewagen Alfa Romeo 1900 M auch verwendet, besser bekannt als „Matta“ (Der Verrückte). Als Spähwagen AR51 (Autovettura di Recognizione) kam das Modell u.a. bei den italienischen Streitkräften zum Einsatz.

 

Den Weg des Unternehmens zum Massenproduzenten setzte dann die Giulietta fort. Auf der Motorshow Turin im Jahr 1954 stellte Alfa Romeo zunächst die Coupé-Version Giulietta Sprint. Bertone hatte ein flaches, agiles und kompaktes Auto entworfen, das zweifellos auch das Zeug zum Klassiker hatte. Das Coupé basierte auf der Mechanik der bereits 1955 startenden Limousine. Auf sie, die erste „Gazelle“, vertrauten direkt die Carabinieri. In der Sprache der Polizisten repräsentierte dieses Tier den Streifenwagenfahrer; schnell, agil und tapfer. Alfa Romeo lieferte die Fahrzeuge für den Patrouillendienst ab Werk mit Sprechfunkgerät aus.

 

Die Giulietta war kürzer, schmaler und leichter als der Tipo 1900. Mit ihr deckte Alfa Romeo erneut ein ganz neues Segment ab und erreichte ein jüngeres Publikum. Diese 4-türige Limousine bot ein modernes Design, hohen Komfort im Innenraum sowie sportliches Fahrverhalten. Der fast komplett aus Alu gefertigte 1,3-Liter Vierzylinder leistete 65 PS und kam auf 165 km/h. Die Giulietta wurde ein Erfolg und war so begehrt, dass sie den Spitznamen „Liebling Italiens“ bekam. Mehr als 177.000 Einheiten wurden produziert. Wieder einmal ein Rekord für Alfa Romeo.

 

Die Alfa Romeo Giulia sollte dies noch toppen. Die Giulia war eines der ersten Fahrzeuge weltweit mit verformbarer Struktur. Die vorderen sowie hinteren Karosseriebereiche sollten bei Unfällen Energie absorbieren. Der Fahrgastraum war dagegen extrem steif ausgeführt, um Passagiere optimal zu schützen. Der Motor mit 1,6 Litern Hubraum war jedoch nur eine Weiterentwicklung des 1,3-Liter Vierzylinders. Die niedrige Front und das steil abfallende Heck entsprachen neuesten Erkenntnissen der Aerodynamik. Die Werbung erklärte dazu nur „vom Wind entworfen“. Der Luftwiderstandsbeiwert betrug für die damalige Zeit niedrige 0,34. Die sportliche Limousine fand schließlich mehr als 570.000 Käufer. (ampnet/SW)

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