Alfa Romeo Tipo 159:


Vor 110 Jahren wurde die Biscione, wie die Traditionsmarke Alfa Romeo in Italien in Anlehnung an die Schlange im bekannten Logo genannt wird, offiziell gegründet. Daher drehte sich im Jahr 2020 alles um die bewegte Geschichte der Marke aus Mailand. Ein Muss: Das neue Museo Storico, das große Werksmuseum von Alfa Romeo, im Mailänder Vorort Arese.

Alfa Romeo Tipo 159:

FCA


110 Jahre Alfa Romeo und dazu 70 Jahre Formel1: Gleich das allererste Rennen der neuen Motorsport-Ära am 13. Mai 1950 endete mit einem Sieg der Marke. Die Ursprünge des damaligen Rennwagens, dem Tipo 158, gehen auf 1938 zurück. Der Achtzylinder-Reihenmotor entsprach mit einem Hubraum von 1,5 Litern dem zu der Zeit gültigen Reglement für Grand Prix, dem Vorläufer der Formel1. Motor und auch Bolide selbst waren aber deutlich kleiner als die berühmten Vorgänger P2 und P3. Der Tipo 158 erhielt deswegen den Spitznamen „Alfetta“, kleiner Alfa Romeo.

 

Durch die Verwendung von Leichtmetallen reduzierte sich das Gewicht des Motors auf 165 kg. Weitere Besonderheit, die Transaxle-Bauweise. Das Getriebe bildete nicht wie gewöhnlich eine Einheit mit dem Motor, sondern war zu einer Einheit mit dem Hinterachsdifferenzial kombiniert. Bei optimaler Gewichtverteilung wird auch noch weniger Platz benötigt.

 

Bei der Rennpremiere im Jahr 1938 leistete der von einem Kompressor aufgeladene 1,5-Liter Motor schon 185 PS. Der II. Weltkrieg stoppte die Entwicklung des Tipo 158. Die technischen Lösungen waren jedoch so fortschrittlich gewesen, dass sie auch in der Nachkriegszeit noch äußerst erfolgreich waren. Die Alfa Romeo Boliden aus den Jahren direkt vor und nach dem II. Weltkrieg waren nicht nur ähnlich, sie waren auch identisch.

 

Bereits kurz nach dem Ende des Kriegs wurden die zuvor versteckten Tipo 158 zurück nach Portello bei Mailand gebracht und unmittelbar auf die Rückkehr in den Rennsport vorbereitet. 1947 und 1948 gewann Nino Farina den Großen Preis der Nationen in Genf und Teamkollege Achille Varzi den Großen Preis von Turin und Carlo Felice Tossi den Großen Preis von Mailand. Der Tipo 158 war weiterhin siegfähig. Mit einem 2-stufigen Kompressor erreichte die „Alfetta“ nun sogar 275 PS, bis 1950 stieg die Leistung auf 350 PS bei 8.600 Touren. Das Leistungsgewicht des Wagens betrug in dem Jahr nur 2 kg pro PS. Bis heute eine Ansage!

 

Beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone 1950, dem ersten von 8 Rennen der neuen Formel1-Weltmeisterschaft, eroberte Giuseppe „Nino“ Farina die Pole-Position, die schnellste Runde und den Sieg. Es folgten: Luigi Fagioli und Reg Parnell. Das allererste offizielle Formel1-Podium der Geschichte war fest in der Hand des Alfa Romeo Teams...

 

„Farina“, „Fangio“ und „Fagioli“ wurde als das „Team der großen drei F“ berühmt. Die Asse gewannen in der Saison 1950 alle Rennen, an denen sie teilnahmen. Sie standen 12-mal auf dem Podium und erzielten 5-mal die schnellste Rennrunde. Giuseppe Busso, Designer bei Alfa Romeo und Mitarbeiter von Chefkonstrukteur Gioacchino Colombo, sagte später: „Unser Problem war die Entscheidung, welcher Fahrer gewinnen sollte“.

 

Am 3. September 1950 setzte die Crew beim Großen Preis von Monza zum ersten Mal den Tipo 159 ein. Eigentlich für die Weltmeisterschaft des folgenden Jahres entwickelt, feierte die nächste Generation der „Alfetta“ ihr Debüt natürlich mit einem Sieg. Mit diesem Erfolg krönte sich Nino Farina endgültig zum ersten Formel1-Weltmeister der Geschichte.

 

1951 entschied sich das Duell um die Weltmeisterschaft zwischen Alfa Romeo und Ferrari erst im letzten Rennen. Nach 17 Jahren erreichte der Motor langsam das Ende seines Entwicklungspotenzials. Aber im Verlauf des Jahres gelang es den Technikern erneut, zusätzliche Leistung zu generieren und die Grenze von 450 PS zu knacken. Das reichte noch für 4  Siege in 8 Rennen, dazu noch 11 Podestplätze sowie die schnellste Runde in allen 7 Rennen, an denen Alfa Romeo teilnahm. Nino Farina gewann in Belgien. Aber mit Siegen in der Schweiz, in Frankreich und in Spanien sicherte sich Teamkollege Juan Manuel Fangio den WM-Titel.

 

Die „drei großen F“ und ihre Siege wurden zum Mythos, ihre Geschichte in „L’Ultimo Incontro“ zum Spielfilm. Gedreht wurde auf den Formel1-Strecken und in den Büros der Rennabteilung. Der Schriftsteller Alberto Moravia arbeitete am Drehbuch mit. Die Hauptrollen spielten Amedeo Nazzari und Alida Valli, die Kinostars jener Ära. Der Film feierte am 24. Oktober 1951 Premiere. Nur 4 Tage später fuhr Juan Manuel Fangio im Tipo 159 mit dem Erfolg in Spanien zu seinem ersten WM-Titel. (ampnet/SW)

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