Kombi ohne Katzenbuckel.




Als feinster Wagen der Baureihe rollt der XF Sportbrake als 30d First Edition an. Er wird von einem V6-Diesel mit 300 PS angetrieben, der für fulminante Fahrleistungen sorgt. Der Preis des fast ideal ausgestatteten Kombis liegt bei 75.970 Euro. Aber wer glaubt, bei diesem Preis gehe nicht viel mehr, der irrt. Extras für knapp 14.000 Euro sind orderbar.

 

Die Form folgt der Funktion: Ein Kombi soll praktisch und als ein Jaguar auch schön sein. Der XF Sportbrake leidet nicht unter den ästhetischen Ansprüchen und schafft den Spagat zwischen praktischem Nutzen und einer feinen Linienführung mit Bravour. Der markentypische Kühlergrill sorgt mit sportiver Prägung für ein gelungenes Entree. Auf 4,96 Meter streckt sich der Wagen dann in die Länge. Die Silhouette ist ebenso wie das optisch schnelle Heck wohlproportioniert, was definitiv am opulenten Dachspoiler liegt. Der Spoiler stärkt nicht nur formal das Design. Wenn der XF-Kombi mit bis zu 250 km/h über die Bahn ist Anpressdruck ideal.

 

Das Interieur findet den stilsicheren Weg zwischen sportlichem Ambiente und gediegener Eleganz. Chrom, Lack und Edelstahl blitzen hier um die Wette, die Verarbeitung offenbart durchgängig höchste Qualität. Bei der Bedienung jedoch gehört der Jaguar-Kombi nicht zur ersten Wahl. Allzu viele Funktionen müssen über den großen Monitor auf der Mittelkonsole angesteuert werden. Die Sitzheizung etwa lässt sich nur mit mehrfachen Berührungen der entsprechenden Schaltflächen der Menü-Positionen in Gang setzen. Wie bei vielen anderen Funktionen ist es umständlich.

 

Problemlos dafür die Eigenschaften eines Kombis. Der Kofferraum fasst 565 Liter. Wer die Rückenlehnen im Fond umklappt, erzielt 1.700 Liter. Am Gewicht sollte die max. Zuladung auch nicht scheitern, 575 kg liegen zwischen dem unbeladenen Kombi und dem zulässigen Gesamtgewicht.

 

Eine ebene Ladefläche erreicht Jaguar durch einen Trick. Den Absatz zwischen Kofferraumboden und der etwas höheren Rückbank haben die Innenraumgestalter durch eine Schrägstellung dieser Fläche überbrückt. Hierdurch geht nur wenig Stauraum verloren, schwere Koffer und Kästen lassen sich aber mühelos weit in das Gepäckabteil hineinschieben.

 

Der XF Sportbrake taugt außerdem als Zugwagen. Gut 2.000 kg darf die Version mit dem stärksten Diesel schleppen, die Luftfederung samt der Niveauregulierung verhindert, dass der Kombi im Gespannbetrieb in die Knie geht. Bei Solofahrten bleibt diese Federung unterdessen sportlich straff. Sanft wie einst gleitet dieser Jaguar nicht über schlechte Beläge, ist bei Unebenheiten vielmehr gerne mitteilsam, was jedoch keine Muss für agiles Fahrverhalten darstellt. Zwar halten sich die Wankbewegungen der Karosserie in engen Grenzen, bei schnellen Kurvenkombinationen bleibt das Gewicht des V6-Diesel, der satt auf der Vorderachse lastet, nicht unbemerkt. Der spielt seine Stärke eher auf geraden Strecken aus.

 

Lenkung und Bremsen machen ihre Sache in allen Fahrsituationen gut, eine elektrisch schnell und genau einstellbare Position der konturierten und lederbezogenen Sitze unterstützt den Chauffeur dabei ebenfalls.

 

Kraftvoll gibt sich der Selbstzünder nicht nur akustisch, der Biturbo hilft dem schweren Kombi ordentlich auf die Sprünge. Hinterradgetrieben gerät er auf nassen Straßen früh an seine Traktionsgrenze, immerhin 700 Nm Drehmomentspitze müssen von den Regelsystemen gebändigt werden. Angenehm entfalten sich die Nm beim kurzen Zwischenspurt, beim Überholen auf der Landstraße oder Einfädeln auf die Autobahn...

 

Sein Höchsttempo erreicht der XF Sportbrake nach kurzem Anlauf, bei Reisegeschwindigkeiten um 160 km/h muss die Maschine ihre Muskeln nur sehr verhalten spielen lassen, was sich im Treibstoffverbrauch nur geringfügig widerspiegelt. Der Normwert von 5,9 Liter auf 100 Kilometer bleibt sehr theoretisch, in der Realität ist der Jaguar-Kombi mit 8 bis 10 Litern Diesel unterwegs. Nur ausgeprägte Landstraßen-Bummelei führte zu Verbrauchsergebnissen unter 7 Liter, unser Mittel lag bei 8,1 Liter.

 

Harnstoffeinspritzung und ein SCR-Katalysator reduzieren die Stickoxide zuverlässig. Und wer den Verbrauch zusätzlich senken will, kann der ZF-Automatik das besonders im Sportmodus eifrige Schalten abgewöhnen. Mit den Schaltwippen am Lenkrad lässt sich der automatische Wechsel ohne Mühen auch manuell bewältigen und die lang ausgelegten Stufen 6, 7 und 8 bevorzugt einlegen. 1 Liter weniger Verbrauch als Ergebnis.

 

Der XF Sportbrake ist kein Schnäppchen, beeindruckt aber mit ebenso engagierten wie entspannenden Fahrleistungen und zeigt sich als starke Alternative zu Premium-Kombis aus Stuttgart, München oder Ingolstadt. Stilsicher und gespickt mit den aktuellen Assistenz- und Infotainment-Systemen steht die Neuauflage des britischen Kombis seinen deutschen Kontrahenten in nichts nach. Am Ende ist es ein echter Jaguar. (ampnet/TX)

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