Mercedes-Benz 680 S:


Die Jahre von 1924 bis 1929 sind in Deutschland auch als die „Goldenen Zwanziger“ in die Geschichte eingegangen. Die Konjunktur hatte nach den Folgen des I. Weltkriegs bis zur Weltwirtschaftskrise am Ende des Jahrzehnts wieder einigermaßen Fahrt aufgenommen, und es gab Leute, die sich den Luxus edler Automobile wieder leisten konnten.

Mercedes-Benz 680 S

Daimler


Das junge Unternehmen Daimler-Benz AG, das 1926 aus der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit Benz & Cie entstanden war, baute solche Luxuskarossen. Eines davon war der Mercedes-Benz Typ S. Was Luxus sowie Exklusivität angeht, ist er ein Urahn der heutigen S-Klasse.

 

Der Mercedes-Benz Typ S, wegen seines Hubraums von 6,8 Litern auch als Typ 680 S bezeichnet, erschien 1927 als eine Weiterentwicklung des Mercedes-Benz Supersportwagens Modell K. Das Fahrzeug begründete die legendäre Familie der schweren Kompressorwagen, zu denen auch die 1928 erschienenen Modelle SS und SSK gehörten. Seine geistigen Väter waren die legendären Konstrukteure Ferdinand Porsche und Hans Nibel sowie Fritz Nallinger. Die Leistung von 120 PS ohne und 180 PS mit Kompressor in der Straßenversion war für ein Spitzentempo von 170 km/h gut. Dieses Potenzial machte das Auto zu einem der schnellsten und zugleich begehrenswertesten Sportwagen seiner Zeit. Sein erster öffentlicher Auftritt erfolgte beim Eröffnungsrennen des Nürburgrings im Jahr 1927 und endete mit dem kompletten Podest für Mercedes-Benz. Rudolf Caracciola fuhr diesen Typ S zum triumphalen Sieg.

 

Insgesamt entstanden nur 146 Exemplare, die meisten davon als offene Sport-Viersitzer zum Preis von 30.000 Reichsmark. Einzelne Exemplare wurden für 26.000 Reichsmark als Chassis ausgeliefert, erhielten ihre Karosserie bei den bedeutendsten Aufbauherstellern der damaligen Zeit. Drei wurden von Saoutchik in Neuilly-sur-Seine kreiert, der damals der beste Karosseriehersteller in Frankreich. Von diesen Fahrzeugen gibt es heute nur noch eines und verweist auf eine bemerkenswerte Geschichte.

 

Die begann am 2. August 1928, als das Chassis nach Frankreich kam, wo es die Karosserie eines zweisitzigen Sportwagens erhielt. Saoutchik stellt im Dezember 11.572,35 Reichsmark in Rechnung. Es wurde von der Mercedes-Benz Comp. Inc. (New York) für Charles Levine bestellt, einen reichen Schrotthändler, der zuvor Berühmtheit als erster Passagier eines Transatlantikflugs von den USA nach Deutschland erlangte. Das Wettrennen mit Charles Lindbergh um die erste Atlantiküberquerung als Pilot ging wegen eines Gerichtstermins um Stunden verloren.

 

Doch die Mercedes-Niederlassung in New York blieb auf dieser extrem teuren Sonderanfertigung sitzen. Das Personal machte aus der Not eine Tugend und stellte den 680 S als Publikumsmagnet in den Showräumen aus. Auch auf dem New York Auto Salon von 1929 trat der Wagen in Erscheinung. Schließlich begeisterte sich Frederick Henry Bedford jr. für das Cabrio. Dieser war damals Direktor beim Rockefeller-Unternehmen Standard Oil, aus dem später Esso hervorging. Der Preis bedeutete kein Problem. Dass Frederick Henry Bedford jr. dem Mercedes-Benz jedoch Margret Stewart, die spätere Ehefrau, verdanken würde, war ein Zufall.

 

Laut deren Enkelin Muffie Murray ging ihre Großmutter damals mit einem alten Freund der Familie aus, der sie entsetzlich langweilte. Als sie mit diesem eine Party besuchte, wurde sie dort Frederick Henry Bedford jr. vorgestellt, den sie recht unterhaltsam fand und als guten Tänzer kennen lernte. Am Ende der Party warf sie einen Blick auf den Mercedes-Benz 680 S und „es war um sie geschehen“, erklärt Muffie Murray.

 

Beide führten eine glückliche Ehe, bis 1952 Frederick Henry Bedford jr. während einer Geschäftsreise unerwartet im Alter von gerade einmal 61 Jahren verstarb. Die Frau traf dieser Schicksalsschlag so hart, dass sie den 680 S Torpedo-Sport Avant-Garde, so die offizielle Bezeichnung, in die Garage fuhr und ihn fortan ganze 28 Jahre lang nicht mehr anfasste.

 

Zum Geburtstag 1980 gab es dann von der Enkelin eine ganz besondere Torte geschenkt. Der 680 S hatte Modell gestanden. Die Initialzündung, das alte Auto wurde restauriert. Diese Aufgabe übernahm Paul Russel, einer der namhaftesten Oldtimer-Experten in den USA. Nach der langen Renovierung war der Mercedes-Benz in einem so perfekten Zustand, dass es Preise und Auszeichnungen fast regnete. 1986 war das Auto bei den Feierlichkeiten „100 Jahre Auto“ von Mercedes dabei, danach ging es für 20 Jahre als Leihgabe in ein Museum in den USA. Im Jahr 2006 entschloss sich die Familie, den Wagen mit nur 31.000 Meilen auf dem Tacho zu verkaufen. Erst 2008 gelangte der 680 S in die Sammlung der renommierten Sammler Paul und Chris Andrews aus Texas.

 

Nach einer kurzen Aufarbeitung gewann der Mercedes-Benz 680 S beim Pebble Beach Concours d’Elegance (Kalifornien) in 2012, wie ein Jahr später beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Ufer des Comer Sees (Italien). Zur Oldtimerversteigerung am 27. Mai 2019 kehrt der Wagen an den Comer See zurück, wo Sotheby's eine Auktion leiten wird. (ampnet/SW)

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